Asterix & Obelix bei den Brukterern

Gespeichert von Ingolf Hosbach am So., 07.04.2019 - 21:49

 

Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. (...)

Was hat das Dorf von Asterix und Obelix mit dem Kleingartenverein Bergmannsheil in Bochum gemein? Die Antwort: Gaius Iulius Caesar (13.7.100 v.Chr.-15.3.44 v.Chr.), römischer Feldherr und späterer Römischer Diktator: Um die Gallier von Rebellionen mit Germanen als potentiellen Verbündeten abzuhalten, propagierte er den Rhein als Grenze des Römischen Reiches, siedelte Germanenstämme um und scheute auch vor Völkermord nicht zurück. Davon war auch das Gebiet um Bochum betroffen.

Als 55 v. Chr. die germanische Stämme der Usipeter und Tenkterer aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet (und dem Gebiet um Bochum?) den Rhein überschritten und neue Siedlungsgebiete suchten, täuschte Caesar zunächst Verhandlungen vor, nur um dann die Häuptlinge der Usipeter gefangen zu nehmen und nach eigenen Angaben 430.000 der führungslosen Germanen niedermetzeln zu lassen - einer der ersten Fälle von Völkermord in der Geschichte. Die überlebenden Usipeter und Tenkterer flohen zurück auf die östliche Rheinseite und das Ruhrtal und fanden Aufnahme bei den Sugambrern, die in die von den Usipetern verlassenen Gebiete nachgerückt waren. Es fand wohl eine friedliche Vermischung der drei Stämme statt. Auf jeden Fall verwehrten die Sugambrer den Römern die Auslieferung der Überlebenden Usipeter und Tenkterer an Caesar.
Als Rache gegenüber Caesar wandten sich die Sugambrer schon 53 v. Chr. nun selbst gegen die Römer und führten einen Feldzug gegen die römische Garnision Aduatuca durch, die nur unter großen Mühen von den Römern aufgehalten werden konnte. Trotz zweier Rheinüberquerungen entschloss sich jedoch Caesar zu keiner dauerhaften Eroberung Germaniens. Einige Jahre nach dem Tod von Caesar wiederholen die Sugambrer den ersten westlichen Feldzug 17/16 v. Chr. und brachten den Römern in der Lollius-Schlacht diesmal sogar eine empfindliche Niederlage bei. Doch eine Schlacht zu gewinnen, heißt nicht, den Krieg gewonnen zu haben: Drusus, der Stiefsohn des ersten römischen Kaisers Augustus, brach zu mehreren Feldzügen gen Osten auf. 12 v. Chr. besiegte er die Sugambrer und die hinzu kommenden Brukterer im Ruhrgebiet, ohne beide Stämme jedoch dauerhaft unterwerfen zu können. Er errichtete mindestens zwei Garnisionen, eine davon im nahe gelegenen Bergkamen. 10 v. Chr. erreichte er sogar die Elbe bei Magdeburg, nur um sich dann auf dem Rückmarsch bei einem Sturz vom Pferd das Bein zu brechen und an den Komplikationen des kaum zu behandelnden Knochenbruchs zu versterben.

Nachdem die Leiche von Drusus durch seinen Bruder Tiberius nach Rom überführt wurde, übernahm Tiberius den ersten von zwei Oberbefehlen über die neuen Expansionsbestrebungen Roms gegen Germanien. Er schien sich jedoch in seiner ersten Periode in Germanien auf regional begrenzte Strafexpeditionen zu beschränken. 7 v. Chr. siedelte er jedoch 40.000 Sugambrer auf das linksrheinische Gebiet um. Nach der Rückkehr von Tiberius aus dem Exil 4 n. Chr. führte er im selben Jahr einen siegreichen Feldzug gegen die Brukterer durch, die damals mehrheitlich eher nördlich des Ruhrgebietes siedelten. 6 n. Chr. wandte sich Tiberius anderen Gebieten zu und sein Statthalter Varus ging wieder das Risiko großer Feldzüge ein - und erlitt die legendäre Niederlage in der nach ihm benannten Schlacht im "Teuteburger Wald" (9 n. Chr.; vermutlich lag das Schlachtfeld nicht im heute so genannten Teuteburger Wald, sondern bei Kalkriese bei Osnabrück) mit einem Verlust von circa 15.000 Legionären. Bei der Schlacht waren nicht nur Cherusker unter Arminius die Gegner der Römer, sondern viele germanische Stämme, darunter die Brukterer, die nun mehr und mehr im Ruhrgebiet siedelten.

Trotz letztlich erfolgreicher, aber regional begrenzter Vergeltungsfeldzüge durch den zurückgekehrten Tiberius ab 10 n. Chr. ließen die Römer unter dessen dritten Oberbefehl von den germanischen Stammesgebieten ab. Angesichts der anstehenden Regentschaft als römischer Kaiser wollte er offenbar einen Gesichtsverlust durch einen eventuellen erfolglosen Feldzug vermeiden.

Zwar begab sich sein Nachfolger in Germanien -Germanicus- noch auf große Feldzüge. Jedoch war das Gebiet um Bochum dabei lediglich Durchzugsgebiet. Jedoch führten die verschiedenen Feldzüge zu einer Anbindung (Alten-)Bochums an die römischen Hauptheerstrassen (Hellwege) und damit Handelswege. Zwei Hellwege kreuzten sich in (Alten-)Bochum: der Hellweg vom heutigen Leverkusen-Wiesdorf über Sodingen, Wuppertal-Elberfeld, Hattingen bzw. Blankenstein (im Parallelverlauf je nach Querbarkeit der Ruhr) weiter nach Recklingshausen, Haltern nach Münster; des weiteren der Hellweg von Duisburg-Ruhrort über Essen-Steele nach Dortmund - Soest - Paderborn. Zusätzlich führte ein Nebenweg von Köln-Deutz heran. Diese Heeresstrassen waren damals mit Holz befestigte Knüppeldämme, die jedoch über die folgenden Jahrhunderte verfielen und durch die weitere unbefestigte Benutzung zu Hohlwegen wurden.

Die Verwüstungen, die ein Feldzug von einem von Germanicus Generälen -Stertinius- 15 n. Chr. in das nördöstlich liegende Stamm-Land der Brukterer unternahm, führten zu einem erhöhten Besiedelungsdruck auf das Ruhrgebiet. Nachdem in der "Schlacht bei den Pontes longi" Germanicus´ General Caecina Severus nur knapp der Vernichtung entging, zogen sich die Römer für circa 200 Jahre aus Germanien zurück, nur um dann in der Schlacht bei Kalefeld (um 228) erneut nur knapp einer Vernichtung zu entgehen. In der Zwischenzeit wurde jedoch reger Handel getrieben, wie die üppigen Scherbenfunde römischer Keramik auf dem Bochumer Gebiet beweisen. Brukterer verdingten sich sogar als Söldner bei den Römern, kamen jedoch 68 n. Chr. zwischen die innerrömischen Fronten, rebellierten und wurden 70 n. Chr. bei Xanten geschlagen. Ihr Name blieb jedoch lange Zeit für das Ruhrgebiet erhalten: Brukterer-Gau.

Östlich des Rheins behielten die germanischen Stämme jedoch im Wesentlichen ihre Herrschaft - jedoch unter hohen Verlusten und großen Verwerfungen. 
Angesichts der oben geschilderten kriegerischen Wirren ist unklar, welcher der germanischen Stämme auf einem dem späteren Kleingartenverein nahe gelegenen kleinen Berg einen Gerichtsort (Thing-Stelle) anlegte. Der Berg wurde jedenfalls danach benannt: Thing-Berg. Aus dem "Thing-Berg" wurde der heutige Name Diberg. Die Gerichtsorte wurden (wenn sie nicht mit Kirchen bebaut wurden) oft auch in christlichen Zeiten als Gerichtsorte benutzt. Ein Gericht konnte jedoch nicht ohne "Schulten" oder "Schultheiße" abgehalten werden, welche meist in der Nähe lebten:

Es kann kein Richter ... echtes Thing abhalten ohne seinen Schultheißen, vor dem er sich zu Recht erbieten soll ...

(Sachsenspiegel I/59,2; von 1230)