Stunde Null

Gespeichert von Ingolf Hosbach am So., 07.04.2019 - 22:14

Am 10. April 1945 endete der Krieg für Bochum: Die 313. und 314. Infantriebrigade der 79. Infantriedivision sowie einige Einheiten der 75. Infantriedivision des XVI US Corps der 9. Armee unter General William Hood Simpson marschierten in Bochum ein, um später die zivile Kommandogewalt im Ruhrgebiet auf die britischen Militärs zu übertragen.


General William Hood Simpson 1945

Die Grenzen der Besatzungszonen waren bereits im Februar 1945 auf der Konferenz der Alliierten in Jalta festgelegt worden. Und da hatten die schwer kriegsgebeutelten Briten den Zuschlag für das Ruhrgebiet bekommen - Die Russen sollten keine Reparationen aus dieser Industrieregion bekommen. Die Franzosen wollten nach ihren schlechten Erfahrungen nach dem 1. Weltkrieg nicht - de Gaulle war sowieso nicht in Jalta vertreten. Und die Amerikaner hatten es nicht notwendig.
Somit war die Amerikaner nur für wenige Wochen in Bochum. Mit dem 25. Juni 1945 bis zum Sommer 1946 übernahm das 53. London Medium Regiment Royal Artillery die Verwaltung in Bochum. Die Briten hatten genauso wie die Amerikaner alle Hände damit zu tun, Übergriffe der verbitterten und halb verhungerten Zwangsarbeiter auf die Bochumer Bevölkerung zu unterbinden, die verschleppten Zwangsarbeiter in ihre Heimatländer zu bringen und die grundlegenste Versorgung aufrecht zu erhalten.

Eine Woche nach der Einnahme von Bochum begann die Schlacht um Berlin. Am 30. April 1945 beging Hitler Selbstmord.

Ähnliches Foto
Das letzte Bild von Hitler im zerstörten Reichskanzlei-Bunker zwei Tage vor seinem Selbstmord.


Bochumer Gärten 1945 (Foto des LIFE-Magazine, Quelle: Library of US Congress, Washington D.C., USA)

Obwohl im Vergleich zum Kriegsbeginn nur noch etwa die Hälfte der Einwohner in den Städten lebte, herrschte akuter Wohnraummangel. In Bochum z. B. waren von über 90 000 Wohnungen vor dem Krieg nur noch 25 000 erhalten, die für 170 000 Menschen ausreichen mußten. Die Bevölkerung hauste in notdürftig hergerichteten Wohnungen, Notbauten, Gartenlauben, Schuppen, Luftschutzbunkern und Kellerräumen. Vielerorts fehlten sanitäre Anlagen, die hygienischen Verhältnisse begünstigen die Verbreitung von Epidemien. Ein Essener Bürger notierte am 23.4.1945:

Heute habe ich meine letzen Kartoffeln verbraucht... das wird eine schwierige Zeit werden bis die Frühkartoffeln soweit sind - vorausgesetzt, dass sie nicht gestohlen werden.