Nach 1945

Gespeichert von Ingolf Hosbach am So., 07.04.2019 - 22:19

Mittels "zivilem" und Werkswohnungsbaus nahmen die Wohnungen in Bochum in den 50er Jahren massiv zu und gleichzeitig die Bevölkerungszahlen. Von 1950 mit 291.000 Einwohnern vergrößerte sich die Bochumer Bevölkerung bis Ende 1954 auf 336.00 Einwohner.

Ein Luftbild von 1952 zeigt die Zerstörungen noch 7 Jahre nach dem Krieg: Fast ein Drittel der Lauben ist nicht mehr vorhanden. Die Häuser zwischen Kleiner Ehrenfeldstrasse und Grottenstrasse sind nicht mehr existent. Hinter noch stehenden Gebäuden an der Hattinger Strasse wurde wildes Grabeland kultiviert.

Quelle: Digital fusionierte Kopien des Stadtarchivs Bochum

In der SGV Bergmannsheil wurden Bombentrichter zugeschüttet, mehr und mehr Kleingärten rekultiviert und Gartenlauben wieder aufgebaut. Das letzte Behelfsheim verschwandt erst Ende der 60-er Jahre.

Und die Nachbarschaft ändert sich: 1954 übernahmen die Firma Heintzmann Anlagen des Bochumer Vereins, die auf Höhe des SGV Bergmannsheil direkt hinter der Bahntrasse benachbart sind.
In der unmittelbaren Nähe ändert sich ebenfalls die Nachbarschaft zum Bochumer Hauptbahnhof, da nach langjährigen Verhandlungen mit der Deutschen Bundesbahn die Stadt Bochum am 30. 5. 1957 einen neuen, weiter östlich gelegenen Hauptbahnhof erhielt.

Quelle: Stadtarchiv

Erst 1969 wird die Hitlersche Neuordnung der „Verordnung über Kündigungsschutz und andere kleingartenrechtliche Vorschriften“ von 1944 abgeändert, nach der ein „Reichswohnungskommissar“ Kleingärten enteignen darf, wenn das für die „Reichsverteidigung“ notwendig sein sollte.

1981 wird in Eigenleistung das neue, große Vereinsheim des KGV Bergmannsheil gebaut und feierlich eingeweiht.

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Am 1. April 1983 trat das neue Bundeskleingartengesetz in Kraft, welches noch heute weitgehend unverändert gilt. Der Umwelt- und Naturschutz sowie die Landschaftspflege werden damit ausdrückliche gesetzgeberisch definierte Ziele des Kleingartenwesens.

Wie sehr das im dicht besiedelten und damals von Schwerindustrie gebrägten Ruhrgebiet von Wichtigkeit war, zeigte sich nur wenig später vom 7. bis 21.1.1985: Am 7.1.1985 war mit dem Inkrafttreten einer neuen Smog-Alarm-Verordnung zunächst für das östliche Ruhrgebiet, später auch für das westliche Ruhrgebiet, die Vorwarnstufe I ausgelöst worden, da die Belastung der Luft an mehreren Messstationen über 0,6 mg Schwefeldioxid pro m³ lag. Die Situation in den Revierstädten verschlimmerte sich in den folgenden Stunden derart, daß die Alarm-Stufe III im westlichen Ruhrgebiet schnell erreicht war, bei der ein generelles Fahrverbot für nahezu alle Kraftfahrzeuge und Einschränkungen in der Industrieproduktion wirksam wurde. In Bochum blieb es bei Stufe II. Erst 2 Wochen später, am 20. Januar 1985, waren die Schwefeldioxid-Werte so weit gesunken, daß die Alarm-Stufen II und III aufgehoben werden konnten. Einen Tag später gab das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium eine vollständige Smog-Entwarnung für das gesamte Ruhrgebiet. Kleingärten als „grüne Lungen“ bekamen auch durch solche Vorfälle eine neue Bedeutung.

Ende der 80er Jahre im Zuge der Stahlkrise stiegen die Arbeitslosenzahlen und die Defizite der Ruhrgebietsstädte - in Bochum fehlten zum 1.3.1987 30 Mio. DM im Stadtsäckel. Das führt zu neuen Formen der kommunalen Zusammenarbeit mit den Kleingärtnern: Es sollte jedoch in Bochum noch bis zum 1. Januar 2000 dauern, als zwischen der Stadt Bochum und dem Stadtverband Bochum der Kleingärtner ein neuer Generalpachtvertrag abgeschlossen wurde. Damit wurden dem Stadtverband wesentliche Aufgaben der Verwaltung der Kleingartenanlagen in Eigenverantwortung übertragen.
Am 13.4.1992 erschütterte den KGV Bergmannsheil in den frühen Morgenstunden ein Erdbeben der Stärke 5,8 auf der nach oben offenen Richterskala. Es war es das stärkste Beben seit 1756. Wie der Fachbereich für Geophysik an der Ruhr-Universität Bochum mitteilt, hatte sich das Ruhrgebiet für 15 Sekunden um 10 cm gehoben und wieder gesenkt. Es kam jedoch zu keinen größeren Schäden.
Zwischen 2005 und 2013 führt die Emschergenossenschaft eine Kombination aus unterirdischer Kanalisation und oberirdischer Renaturierung des Marbaches durch. Der Abschnitt am KGV Bergmannsheil war jedoch bislang nicht betroffen.
Am 1.3.2008 verwüstete Sturmtief Emma Innenstadt und östliches Bochum. Bis zum Ende des Jahres 2008 wüteten noch zwei weitere überdurchschnittliche Stürme.
Mitte November 2010 entgingen die unteren Teile der zum Marbach hin gelegenen Gärten des KGV Bergmannsheil nur knapp einer Überflutung: Das Unwetter Carmen brachte mit Niederschlägen von über 40 l/m² den pseudo-renaturierten Marbach im bachaufwärts gelegenen Wiesental zum Überlaufen. Kurzzeitig bildete sich ein riesiger See, der sich nur ca. 10 m unterhalb des Wiesentalteiches bis hin zur Friederikastrasse erstreckte, in dem das Wasser das gesamte untere Viertel des Wiesentals als Rückhaltebecken nutzte. Der Vorgang zeigte die Schwächen des Pseudo-Renaturierungsprojekts der Emsergenossenschaft: Die Trennung von Regenwasser (oberirdischer Marbach) und Schmutzwasser (unterirdisches Kanalsystem) funktionierte bei extremen Regenmengen nicht. Der oberflächliche Teil war zu klein angelegt und der unterirdische Teil schaffte es mit seinen 3-m-Kanalrohren gerade an den durch Bruchholz häufig verstopfenden Übergangsstellen nicht, das überschüssige Wasser abzutransportieren. Die Kanaldeckel fanden sich teilweise meterweit entfernt von ihren Kanallöchern. Die Verstopfung im Wiesental war jedoch möglicherweise die Rettung für das Marbachtal am KGV Bergmannsheil, da so nicht das Marbachtal sondern das Wiesental die Wassermengen pufferte.

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