Ice Age im Kleingartenverein

Gespeichert von Ingolf Hosbach am Sa., 06.04.2019 - 23:31

Westfalen...
Unendliche Weiten...
Garten-Logbuch KGV Bergmannsheil: Wir schreiben das Jahr 200.000 v. Chr..
Gleißend weißes Eis, unterbrochen von türkisblauen Gletscherseen...
Wir befinden uns im Pleistozän; genauer gesagt im späten Drenthe-Stadium der sogenannten Saalium-Kaltzeit (ca. 200.000 v. Chr.). Ein mächtiger Eispanzer reicht von der Arktis bis zum Ruhrtal. In besonders kalten Zeiten schickt das Eis Eiszungen über das Ruhrtal hinaus in südliche Richtung, z.B. ins Hammertal.
Über dem Eis herrscht ein eisiger Wind, der den Staub, der sich auf dem Eis ablagert, zusammen und über den Rand des Eispanzers fegt. An der Kante des Eispanzers ist dieser brüchig mit vielen Verwerfungen. In den Verwerfungen sammelt sich der Staub und lagert sich ab. Das Eis schiebt in den Ausdehnungsphasen die Staub-Ablagerungen an seiner Basis zusammen. Zwischendurch lagert sich der im Eis eingeschlossene Staub in Tauphasen ab. Alles zusammen bildet dicke Löß-Schichten, die verwittern und sich später zu Lößlehm verdichten.

In der Tundrenlandschaft mit ihrem Permafrostboden vor dieser Eiswand grasten Wollhaar-Mammuts, Wollnashörner, Riesenhirsche, Auerochsen und Wisents, die von Höhlenlöwen und -hyänen gejagt wurden. Dazwischen tummelten sich die gedrungenen Gestalten der Neandertal-Menschen (bzw. ihrer Vorläufer der Gattung Homo heidelbergensis) und versuchten mit der Jagd zu überleben. Im Winter verhungerten sie fast in der entsetzlichen Kälte und im Sommer wurden sie von Myriaden blutrünstiger Mücken schier aufgefressen, während sie mühsam auf der aufgetauten, matschigen Bodenoberfläche versuchten, ihrer Beute hinterher zu kommen. Trotz modernster Ausrüstung nach dem letzten Stand der Technik (Feuer, Stein-Pfeilspitzen, Stein-Werkzeuge, Stein-Waffen, Fallgruben) fristeten sie ein mühsames Dasein.

Bochumer_Faustkeil

Das Feuer musste mittels Holzkohlen von einem Lager zum nächsten mitgenommen werden, da Feuerstein kostbar war und eher für die verschiedensten Werkzeuge Verwendung fand. Die Stein-Pfeilspitzen, -Werkzeuge und -Waffen mussten von weit her importiert werden und kosteten ein Vermögen. Insbesondere die Stein-Pfeilspitzen brachen ab, gingen verloren oder blieben in flüchtenden Tieren stecken. So fand sich auf Bochumer Gebiet eine Pfeilspitze 1,5 m tief im Lößlehm, also aus der Zeit zwischen zwei Eiszeitphasen stammend. Alternativ benutzte Werkzeuge und Waffen aus Tierknochen oder Geweihen brachen jedoch zu schnell und mussten mühsam immer wieder hergestellt werden. Die Fallgruben waren im Lehm nur schwer auszuheben und liefen mit Wasser schnell zu, wenn man sie an den von Tieren viel frequentierten Tränken anlegte. Doch bei dem Ausheben der Gruben entwickelten sich bei der Bodenbearbeitung erste Gerätschaften, die auch heute noch im Gärtnerhandwerk Verwendung finden: Hacken und Schaufeln.

An den Anbau von Pflanzen war jedoch angesichts der Umstände und aufgrund des Klimas zunächst nicht zu denken. Deswegen tat es auch keiner. Bevor die ersten umzäunten Gärten in Bochum entstehen sollten, sollte es noch eine weitere Kaltzeit (Weichselium) und eine Warmzeit (Eem) dauern. Weiterer Löss lagerte sich auch während dieser letzten Kaltzeit auf Bochumer Gebiet ab, obwohl der Eispanzer nur bis auf die Höhe von Hamburg reichte. Doch der sich damals bildende Boden ist noch heute Grundlage des Gärtnerns: fruchtbarer Lößlehmboden.

Die ersten Bauern auf Bochumer Gebiet können bereits zur Jungsteinzeit nachgewiesen werden. Sie wanderten aus dem Donauraum ein. Sie werden heute als „Bandkeramiker“ bezeichnet, da sie aus dem Bochumer Lößlehm Tongefäße brannten, die sie bandförmig verzierten. Sie hatten weitläufige Handelsbeziehungen : so importierten sie Steinwerkzeuge aus Belgien. Darunter waren auch Großgeräte wie Steinhacken aus Amphibolit. Diese ersten Bauern lebten in großen Gebäuden von bis zu 20 mal 28 m. In abrupten (kriegerischen?) Übergang wurde diese landwirtschaftliche Gemeinschaft von der sogenannten Rössener Kultur der frühen Kelten abgelöst. Ihre Gebäude waren noch größer, aber schmaler. Auf Bochumer Boden wurde ein riesiges Gebäude auf 65 m Länge ausgegraben. Die Gesamtlänge wurde auf 85 m geschätzt. Dem Gebäude vorgelagert waren die ersten nachgewiesenen Bochumer Kleingärten von 38 mal ca. 15 und von 38 mal ca. 45 m Größe. Über Vorsitz und sonstige Vereinsstruktur ist jedoch nichts bekannt...